Durchzug

Max Orlich

Photographie / Soziologie / Journalismus

 

Hotel Durchzug - In Beton gegossene Zeit

Luftig schwerleicht liegt es da, das Betonmonster. In Beton gegossene Zeit, deren Zahn an ihm nagt. Sozialistische Tourismustraumtänzereien der 80er im kapitalistisch-kriegerischen Chaos der 90er auf einer Wiese zerschellt. Irgendwo in Istrien.

 

Säulen mit sowjetischen Kapitellen, Vordächer filigran wie ein 40-Tonner, drei Stockwerke voller imaginärer Zimmer, mit Gardinchen mutmaßlich osteuropäische Eleganz, das Elend der verbrannten hergewünschten westeuropäischen Bierbäuche verbergend.

 

So steht es da, das Hotel Durchzug, mitten im Ort, auf einer Wiese, wie vom Himmel gefallen, auf dem Boden der Gegenwart gelandet und doch zwischen den Zeiten schwebend. Weithin sichtbar wie ein Mahnmal, ein Wart-Mal. Kein Wal-Mart. Ein Innehalten, ein Noch-Nicht.

 

Das Unfertige ist selten so robust, tonnenschwer und leicht zugleich. Auf dem Weg zum Geschlossenen blieben die Geschosse offen, als Geschosse flogen. Im Chaos von Systemwechsel und Bürgerkrieg verlor man den Durchblick. Durchzug aber blieb.

 

(Die Photographien finden Sie hier.)

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