Photographie

Max Orlich

Photographie / Soziologie / Journalismus

Photographie

Die gerne gestellte Frage "Was photographieren Sie denn so?" finde ich mindestens so schlimm wie die Frage "Was für Musik hören Sie denn so?" Ich würde darauf immer gerne mit einer Gegenfrage antworten: "Haben Sie Zeit? Viel Zeit?" Oder: "Wissen Sie, was für ein Geräusch eine Canon F-1 beim Auslösen macht? - Deshalb."

 

Photos mache ich seit 1989, meine bis heute liebste Kamera besitze ich seit 1998, mit dem Photographieren jedoch habe ich erst 2005 so richtig begonnen. Und beginne jeden Tag neu damit. Mit jedem Bild. Nur die Anknüpfungspunkte, die Referenzen, das photographische Gedächtnis ist inzwischen etwas vielfältiger geworden. Und die Neugierde größer.

 

Dérive

 

Ich laufe gerne. Am liebsten in Städten. Mit einer Kamera lernt man nicht nur Schauen, sondern auch, in den entscheidenden Momenten stehen zu bleiben und zu reflektieren, was man sieht. Und man lernt laufen, weil man sich von der Idee, einen Augen-Blick zu fixieren bewußt oder unbewußt von der Psychogeographie der Umgebung leiten läßt.

 

Situationen

 

In der Photographie als Still-Stellung von Momenten ist also der kurze Moment der Auslösung von permanenter Bewegung umgeben. Und dieses Zusammenspiel von Bewegung und Innehalten wiederholt sich dann nochmal innerhalb der Kamera - zumindest solange sich in ihr noch ein Film befindet. Man ist sehr eng mit seiner Kamera verbunden, sie ist weit mehr als ein Werkzeug.

 

Alltagsleben

 

Mich reizt das Besondere im Alltäglichen und das Alltägliche im Besonderen, das Innergewöhnliche; ich will die Schönheit des zunächst Abweisenden oder gar Hässlichen entdecken oder die an Langeweile grenzende Glattheit des offenbar Schönen zeigen; ich möchte mit Sprache und mit Bildern spielen und Schrift-Bilder konstruieren; ich möchte auf die Bedeutung der Perspektive aufmerksam machen - in allen Sinnen dieses Wortes.

 

Zeit-Bilder

 

Ich versuche, nicht nur Dinge im Bild festzuhalten, sondern auch die an Ihnen sichtbar werdende Zeit; ich liebe es, durch das Spiel mit Blende und Belichtungszeit zwischen Überblick und Detailverliebtheit zu wechseln und so Blick-Punkte und Situationen zu konstruieren; ich möchte meinen eigenen Blick und den des Betrachters schärfen und ich hoffe, dass meine Leidenschaft für das permanente alltägliche Schauen auch in meinen Bildern zu sehen ist.

 

Entschleunigung

 

Einige Informationen noch für den Homo Faber: Auch wenn aufgrund tiefsitzender familiärer Frankophilie das Motto eigentlich Dig-Italien lauten müßte, geht es in den meisten Fällen hier nicht um Pro-Shot Fine-Pix von Mark II, sondern um Analogiesch(l)üsse; nicht um Logik, sondern um Analog-ik.

 

Es geht nicht um Pixelmillionen, sondern um 864, 2700, 3600 oder 5400 Quadratmillimeter; um kleine Schlüsse aus Schüssen, beides aus der Hand oder Hüfte, machmal mit Hand und Fuß, manchmal mit einer Intuition oder dérive zu nennenden Programmatik. Als Sehhilfen dienen meist eine Canon AE-1 oder eine Canon F-1. Wenn mehr Zeit ist auch eine Hasselblad Xpan, eine Rollei SL66, eine Mamiya C330 sowie eine Fuji GW690.

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