Zwischenhalte

Max Orlich

Photographie / Soziologie / Journalismus

 

888 - Zwischenhalte

Der Weg als Ziel ist weg. Häufig zumindest. Er ist verschwunden, irgendwo auf der Strecke geblieben. Heutzutage sind Angaben, wo man sich im Raum bewegt, sehr zielstrebig geworden. "Ich fahre nach Offenburg", heißt es da, maximal noch ergänzt um eine Herkunftsangabe: "Ich fahre von Freiburg nach Offenburg." Das was dazwischen liegt, der Raum, taucht nur noch bei großen Distanzen auf, wenn der Zwischenraum Highlights enthält.

 

Wer mit dem ICE reist, bekommt Zwischenhalte serviert, die selbst Metropolen sind. Man fährt dann nicht mehr nur "Von" "Nach" sondern auch "Über". Man ist "Über" unterwegs. Der Nahverkehr wird hingegen zum Nach-Verkehr. "Über" fällt hier meist unter den Tisch. Diese Serie interessiert sich genau für dieses "Über", für die Zwischenhalte.

 

Auf der Regionalexpresslinie zwischen Freiburg und Offenburg gibt es acht solcher Zwischenhalte. Der Zug fährt über Denzlingen, Emmendingen, Kenzingen, Riegel-Malterdingen, Herbolzheim, Ringsheim, Orschweier und Lahr. Acht mal hält der Zug, acht mal steigen Menschen ein aber auch aus. Beim Blick auf all diese Bahnhöfe, die teils eher Bahnhütten gleichen, fragt man sich jedoch: warum?

 

Was sind das für vergessene kleine Städte am Rande der Bahnlinie? Schlafstädte? Wohnstädte? Lebestädte? Dient der Bahnhof dazu, dorthin zu gelangen oder um die Stadt zu verlassen? Ist er ein Ort des Aufenthalts oder einer des Durchgangs? Diesen Fragen an die acht Zwischenhalte geht das Projekt nach. Jeweils um acht Uhr morgens im August. Fotografiert wird mit einer Fuji 6x9 Mittelformatkamera, die jeweils acht Bilder auf einem Rollfilm unterbringt. Acht Zwischenhalte, acht Uhr, acht Bilder.

 

Für jeden Bahnhof eine Stunde Zeit, nachdem der Zug "Von" mich dort im Dazwischen ausgespuckt hat und bevor der nächste mich wieder auf den Weg "Nach" bringt.

 

(Die Photographien finden Sie hier.)

 

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